Wesenstest

Der Wesenstest gilt der Beurteilung, in wieweit die dem Hund eigene individuelle Qualität und Quantität aggressiver Reaktionen auf unterschiedliche Situationen eine erhebliche Gefahr für den Menschen darstellen. Einen endgültigen Wesenstest kann der Hund erst mit Vollendung des 15. Lebensmonats ablegen. Durch die Konfrontation mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Situationen, die Aggressionsverhalten auslösen können, wird die Reizschwelle des Hundes geprüft.

Da eine gewisse Aggressivität bei Hunden sowohl erblich bedingt ist als auch von äusseren Einflüssen abhängt, muss in der Prüfung das als natürlich zu bewertende Aggressionspotential berücksichtigt werden. Allerdings müssen Hunde bestimmten Reizen begegnen können, ohne das es zu einer Eskalation mit Menschen oder Artgenossen kommt. Der Hund wird optischen, akustischen und olfaktischen ( den Geruchsinn betreffend ) Reizen ausgesetzt, die von der belebten und unbelebten Umwelt ausgehen und dadurch in seinem Sozial – und Kommunikationsverhalten geprüft. Prüfungsort darf nicht der dem Hund bekannte Trainingsplatz sein, sondern kann z. B. der Besitz des Halters oder ein dem Hund fremdes Terrain ( Park / Grünanlage ) sein. Das Gutachten muss die gesetzlichen Grundlagen darstellen, Begriffe wie Aggressionsverhalten und sonstige relevant zu prüfende Begrifflichkeiten definieren und den Testablauf mit jeder Situation, in welcher der Hund mit mehr als Skalierung „1“ beurteilt wurde, darlegen.

Eine abschliessende, schriftliche Beurteilung ergibt sich aus den Prüfungsergebnissen. Über den Test ist eine Videoaufzeichnung mit aktueller Uhrzeit und Datum anzufertigen. Der Gutachter darf aus Sicherheitsgründen als auch wegen der Gesamtübersicht der Prüfungssituation nicht selber Kameraführer sein. Alle an der Situation Beteiligten sowie der zu prüfende Hund müssen mit einer beweglichen Kamera vollständig im Bild sein. Die Gesamtdauer des Tests beträgt 50 bis 60 Minuten und abgesehen von kritischen Situationen sind in dieser Zeit keine längeren Pausen enthalten. Der Halter des Hundes führt ihn während des Tests an der Leine und der Hund sollte möglichst ohne Maulkorb getestet werden, um eine gute Beurteilung der Mimik zu gewährleisten. Stachelhalsbänder sollten wegen des Verletzungsrisikos bzw. des möglicherweise entstehenden Schmerzes beim Test nicht angelegt werden, um die Beurteilung der Reaktionen des Tieres nicht zu erschweren oder zu verfälschen. Auch das Verhalten des Besitzers während der Prüfung ist ein Kriterium für die Bewertung des Hundes. Nimmt der Halter aktiv starken ( bewusst oder unbewusst ) Einfluss auf das Hundeverhalten, muss die entsprechende Testsituation mit einer neutralen Person nachgetestet werden.